Weltreise Tagebuch

#11 Die Marine holt uns ab

Carsten & Nadine

21. Dezember 2017

Gestrandet auf Koh Mak. Zusammen mit 150 anderen Touristen. Und wie es ist von einem Kriegsschiff der thailändischen Marine abgeholt zu werden.

Die Nacht blieb stürmisch und das Schlafen fiel schwer. Trotzdem packen wir voller Optimismus unsere nun getrockneten Sachen wieder ein. Es ist 6.00 Uhr morgens und wir wollen für den Fall, dass der Wind doch noch nach lässt und eine Fähre fährt, gerichtet sein. Im Bungalow nebenan machen Michela und Francesco, unsere italienischen Leidensgenossen von der Horrorfahrt das gleiche.

Gestern Abend hatten wir noch mit den Fährgesellschaften telefoniert und Michela und Francesco waren zusätzlich auf der Insel unterwegs, um an Insider-News zu kommen. Ergebnis: Wir sollen heute morgen um 7.00 Uhr wieder anrufen. Unsere Vermieterin Naem kümmert sich zusätzlich telefonisch aus der Ferne. Erst einmal heißt es aber, dass auf Grund der stürmischen See keine Fähre und kein Boot fahren. Wir sollen warten, es gäbe das Gerücht, eine Fregatte der Thailändischen Marine würde uns gegen Mittag abholen und uns ans Festland bringen. Immerhin seien hier wohl einige Menschen gestrandet.

„Die Marine? Ja, sie soll kommen. Gegen Mittag.“
„Die Marine? Nein, heute nicht. Vielleicht morgen.“

So gingen wir erst mal frühstücken und plauderten mit Michela und Francesco und tauschten uns mit weiteren Gestrandeten im Resort aus. Die beiden haben einen Flug von Bangkok in ihre Heimat zu erreichen und so ist deren Druck deutlich größer als unserer. Während wir noch überlegen können auf Grund der Wellen nicht zu fahren, weil wir keine Lust haben ein weiteres Mal Freundschaft mit besonders gefüllten Tüten zu machen, hat Francesco kaum eine Wahl und wird in jedes Boot steigen, welches ablegt. Er tut uns wirklich leid, wir spüren seine Hilflosigkeit, auch wenn er seinen Humor noch nicht verloren hat. Der Morgen ist gespickt mit vielen Telefonaten im Thai-Englisch Stil und mit vielen „vielleicht“ oder „vielleicht auch nicht“ und „ja, aber“ und genaues wisse man immer noch nicht.

Stürmischer Morgen

Wir brauchen keinen Windmesser, nur Nadines Haare 😉

Um 10.15 Uhr bekommen wir die Info, dass wir um 13.00 Uhr mit einem Holzboot nach Koh Chang (wo wir seit gestern sein sollten 🙂 ) übersetzen können und gegen 12.00 Uhr tatsächlich die Marine mit einer Fregatte die Gäste fürs Festland abholt, um sie sicher nach Trat zu bringen. Die Erleichterung ist groß. Wir freuen uns und überdenken unsere Optionen, denn von Trat geht auch jede Stunde eine große Autofähre nach Koh Chang. Letztendlich ziehen wir das Marine Angebot vor, denn es sind die gleichen Windstärken und Wellen vom Vortag gemeldet. Mittlerweile wissen wir, dass wir gestern 4-5 Meter hohe Wellen hatten und bei unserem Katamaran einer der beiden Motoren wegen Wassereinbruchs ausfiel. Na, Herzlichen Glückwunsch und heute dann in ein noch kleineres Holzboot? Nein, danke! Wir fahren mit dem Taxi und weiteren Betroffenen zum Pier, und bis unsere Fregatte anlegt, beobachten wir wie immer mehr Sammeltaxis kommen und sich der Pier füllt.

Sammeltaxis, Händler & Neugierige am Pier

Unsere Leidensgefährten Franceso & Michela

Der Pier wird sich noch weiter füllen…

Gestrandete, Händler, Gastgeber und Neugierige sind voller Erwartung….die Marine kommt! Die ganze Insel weiß Bescheid 😉 Zuerst kommt das Holzboot nach Koh Chang und einige Mutige gehen an Bord, bekommen direkt Schwimmwesten und warten…Bald darauf ist das Schiff der Marine am Horizont zu erkennen und es kommt näher. Wir sind froh, das wir dieses sehr ruhig im Wasser liegende große Schiff gewählt haben. Wir hätten nie gedacht jemals auf einem Schiff der Thailändischen Marine in See zu stechen. Nun legt also auch unsere „Fähre“ an und ein paar Offizielle sorgen sehr freundlich und auf sympathische Art für Ordnung, damit es beim an Bord gehen ruhig bleibt.

Die HTMS Klaeng nähert sich

Nicht nur die Touristen sind aufgeregt. Auch für die Marine ist das kein täglicher Job.

Es werden Reihen gebildet, doch zuerst dürfen Familien mit Kindern, dann die Frauen und zum Schluß die Männer rein. So schaut es aus, wenn der Notstand vor Ort ist 😉 Es läuft wirklich gut und so sind in kurzer Zeit alle an Bord und auf unterschiedlichen Decks verteilt. Nadine und Michela sind schon ganz oben ankommen, als Francesco und Carsten folgen können. Zusammen suchen und finden wir einen schattigen Platz. Nach dem Ablegen spüren wir den Fahrtwind und geniessen die Sicherheit. Glücklicherweise sind die Wellen zusätzlich zurückgegangen und so bleibt es eine entspannte Fahrt.

Der Farang – eine Online Zeitung – hat darüber berichtet und wir sind mit auf dem Foto.

Die Zeit vergeht und wir brauchen deutlich länger als gedacht bis Trat. Wir wollen ja noch nach Koh Chang übersetzen. Es ist 16.30 Uhr, als wir den Pier von Trats Marinestützpunkt ansteuern – jetzt nur noch anlegen. Nur noch? Stärkerer Wind verhindert es mehrfach. Es dauert und unsere Zeit läuft davon. Michela und Francesco sollten es auch noch bis Bangkok (6 Stunden Fahrzeit) schaffen und wir halt noch pünktlich mit irgendeinem Taxi zur letzten Fähre. Am Pier stehen ein Bus, ein Minibus und zwei Taxen…für 150 Passagiere! Wir legen an und wollen schnell von Bord. Diverse Medienvertreter, Journalisten und Kameras warten schon. Aber so schnell dürfen wir dann doch nicht. Da ist wohl noch ein berühmtes Paar der thailändischen Gesellschaft, welches zuerst von Bord muss. Shake Hands und TV Interview…Aber dann dürfen wir doch endlich raus.

Schnell bildet sich eine Gruppe von weiteren Koh Chang Aspiranten und so wird gemeinsam ein Taxi genommen – ein ziemlicher Schrotthaufen, wie wir schnell merken. Nachdem er irgendwann angesprungen ist und die Luft mit schwarzem Qualm geflutet hat, schafft er tatsächlich noch die kurze Strecke zum nächsten Fährhafen.

Wir erreichen die letzte Fähre, starten mit schönem Sonnenuntergang und kommen im Dunkeln auf Koh Chang an. Das der Tag noch nicht ganz überstanden ist und wir an dem Abend nicht zur Ruhe kommen werden….wird Teil unseres nächsten Beitags 😉

Fotogalerie

Menü