Weltreise Tagebuch

#143 Wandern am geschichtsträchtigen Waterberg

Nadine & Carsten

03. Januar 2019

Heute wollen wir am Fuße des mächtigen Tafelberg „Waterberg“ wandern gehen. Der knapp 50km lange und 16km breite Berg liegt auf erstaunlichen 1800 Höhenmetern und ragt gute 200m senkrecht in die Höhe. Das Plateau ist so groß, dass auf einer Fläche von 40.000 Hektar viele Tierarten ausgewildert wurden um ihren Bestand zu retten. Mal schauen ob wir welche sehen 🙂

Rund um die Waterberg Region gibt es neben einer vielfältigen Tierwelt auch eine kleine Wanderwelt. Leider erfahren wir vor Ort, dass man nur dann auf das Plateau des Waterberg gehen darf, wenn man einen Guide auf einer geführten Gruppe begleitet. Was nicht gerade wenig Geld kostet. Und das obwohl die Tour nur 2 maximal 3 Stunden dauert. Die Höhendifferenz beträgt eigentlich nur 200m, was in locker einer dreiviertel Stunde möglich ist. Runter gehts dann deutlich schneller. Wir können uns also ausmalen von welcher Art diese geführte Wanderung ist und welche Art von Touristen mitkommen. Kurz zusammengefasst: nicht unser Ding 😉

Wir beschränken uns also auf die möglichen sechs Wanderrouten, die man ohne Guide gehen darf. Da wir gestern schon einen Teil davon durch unsere Nashorn Fußsafari gesehen haben, fahren wir ein Stück mit dem Auto in die entgegengesetzte Richtung. Weiter rein in Richtung Wasserquelle. Denn Waterberg (afrikaans) bedeutet nichts anderes als Wasserberg. Dank der vielen Wolken, die an dem 2000m hohem Plateau hängen bleiben und sich abregnen, sammelt sich das Wasser am Fuße und lässt die Landschaft in herrlichen Grüntönen erblühen. Und das das ganze Jahr über! Zur Trockenzeit kann das Wasser genutzt werden, dass in den oberen porösen Gesteinsschichten nach unten in die wasserundurchlässigen Schichten gelangt ist und durch eine Öffnung im Süden wieder austritt. Ein Paradies für die Pflanzen- und Tierwelt!

Biene im Flug – lohnt sich in Groß anzuschauen 🙂

Der Rotbauchwürger war schwer zu fotografieren – er hat sich immer hinter Ästen versteckt 😛

Grauer Lärmvogel

Am Fuße des Waterberg starten zwei kurze Wanderungen, die man zu einem Rundweg kombinieren kann. Wir haben bei der Ankunft am Camp vor zwei Tagen ein Prospekt mit eingezeichneten Wanderrouten bekommen. Da sie auch vor Ort ausgeschildert sind, kann man sich eigentlich nicht verlaufen 🙂 Wir starten mit der „Stachelschwein“ Route. Stachelschweine sind zwar nachtaktive Tiere, aber vielleicht sehen wir ja zumindest einen der langen weißen abgeworfenen Stachel 🙂

Es geht über einen felsigen Weg ein bisschen in die Höhe und schon nach kurzer Zeit erreichen wir einen Aussichtspunkt, der uns einen freien und weiten Blick über Waterberg präsentiert. Direkt an den senkrechten Felswänden winden sich die langen Wurzeln von Bäumen, die entweder direkt am Plateau Abgrund oder direkt in der Steinwand emporwachsen. Wahnsinn 🙂

Der gefühlt endlos lange Waterberg 🙂

Schicke Aussicht

Es ist ganzjährig grün hier – eine Seltenheit in Namibia

Die Bäume wachsen einfach die senkrechte Wand nach oben!

Langreichende Wurzeln

Obwohl es noch nicht einmal 8 Uhr ist, merken wir schon jetzt wie die Felswände die Wärme der Sonne zurückstrahlen. Für die einen anstrengend, für die anderen genau richtig. Zum Beispiel für die vielen Echsen, die ihre Körpertemperatur auf einem der vielen warmen Steine auf Hochtouren bringen. Aber auch die Dassies nehmen gerne ein Sonnenbad 🙂

Dassie

Sonnende Echse

Nach einer guten halben Stunde kommen wir an der Quelle an und sind von dem satten Grün der Wiese begeistert! Mittendrin liegt ein formschöner roter Stein, der von den Sonnenstrahlen angeleuchtet wird. Nadine „watet“ durch das hüfthohe Gras, darauf bedacht auf keine Schlange zu treten, und klettert auf den mannshohen Stein. In der Ferne sehen wir grasende Pferde, die hier mittlerweile frei leben dürfen. Früher wurden sie von den Farmern als Arbeitstiere eingesetzt. Heute dürfen sie einfach leben und sich überallhin begeben, wo das Gras am grünsten ist 😉

Nach unserem kleinen Rundweg, laufen wir noch ein Stück in den „Dassie Weg“ rein. Die ganze Route schaffen wir leider nicht mehr, da wir schon wieder abreisen und noch ein paar Stunden Fahrzeit haben. Der Weg heißt übrigens nicht umsonst wie das kleine knuffige Tierchen. Sie lieben Felslandschaften und genau die gibt es hier reichlich. Aber auch ein anderes Tier findet sich hier gut zurecht. Wir glauben übrigens, dass die Figuren aus den Manga Comics von genau diesem Tier namens Dik-Dik ihre großen Augen haben 😀 Aber schaut selbst:

Ein Dik Dik – leider recht weit weg

Soooo große Augen! 🙂

Pavian

Wie hier ist eine Straße? Na und! 😉

Nun wird es nochmal ernst liebe Freunde der Freiheit. Nicht umsonst heißt unser Titel „Wandern am geschichtsträchtigen Waterberg“. Wir haben uns mit der Geschichte Namibias und der deutschen Kolonialzeit beschäftigt, denn hier am Waterberg wurde ein Volk von den Deutschen nahezu ausgerottet. Wie kam es dazu?

Das heutige Namibia war Deutschlands größter Siedlungserfolg in der Kolonialzeit zwischen 1885 und 1915 und wurde Deutsch-Südwestafrika genannt. Durch betrügerische Verträge und Vertreibung blieb den Ureinwohnern, vor allem den Hereros nur noch unfruchtbares Land zum Leben und sterben. Eine Alternative war es für die Kolonialherren zu Hungerlöhnen zu arbeiten. Von Rassismus geprägte Folter und Prügelstrafe waren an der Tagesordnung, denn die Kolonialisten sahen sie als minderwertig an.

Hier ein Auszug aus Wikipedia zum Thema „Völkermord an den Herero und Nama“:
Im Juli 1900 sprachen sich die Bürger der südwestafrikanischen Stadt Windhuk offiziell gegen die Abschaffung der Prügelstrafe mit den Worten aus: „Für Milde und Nachsicht hat der Eingeborene auf die Dauer kein Verständnis: er sieht nur Schwäche darin und wird infolgedessen anmaßend und frech gegen den Weißen, dem er doch nun einmal gehorchen lernen muss, denn er steht geistig und moralisch doch so tief unter ihm.“ Unter anderem mit Lattenstöcken und Rhinozerospeitschen wurden die oft nackt über ein Bierfass gebundenen Opfer so lange misshandelt, bis sie schwere Verletzungen davontrugen. Der Kolonialbeamte Wilhelm Vallentin fasste seinen Eindruck in die Worte „Ein rohes, gehacktes Beefsteak ist nichts dagegen!“

Im Jahr 1904 begann der große Aufstand der verzweifelten Herero und dieser gipfelte in der Schlacht von Waterberg. Diese Schlacht sollte als der erste Genozid des 20sten Jahrhunderts in die Geschichte eingehen. Die Hereros sollten in einer Schlucht am Waterberg eingekesselt und dort vernichtet werden. Überlebende Hereros konnten teilweise noch in Richtung Wüste fliehen, doch auch dort wurden sie mit dem Ziel der totalen Vernichtung weiter verfolgt und von jedem Wasserloch vertrieben.

Bevor der Völkermord abgeschlossen werden konnte, wurde von Kaiser Wilhelm II befohlen die nicht am Krieg beteiligten Hereros am Leben zu lassen und alle anderen zu töten. Die Überlebenden sollten in Sammellagern untergebracht und zur Zwangsarbeit gezwungen werden.
Doch die Afrikaner wurden weiterhin willkürlich erschossen, wenn man sie beschuldigte, gegen die Deutschen zu kämpfen. Es gab viele öffentliche Hinrichtungen durch den Strang und Patrouillen holten nur wenige Überlebende aus der Wüste zurück.

Für Einzelheiten und den genaueren Ablauf der Geschichte schau doch mal hier, es lohnt sich.

Und ja, die Deutschen waren nicht die einzigen, auch Briten, Niederländer, Portugiesen und weitere machten sich Länder und deren Bevölkerung untertan, doch wir sind nun einmal hier in Namibia und dort waren es unsere Vorfahren die sich u.a. des Völkermordes, des Rassismus und Landraubs sowie Folter schuldig gemacht haben. Uns ist die allgegenwärtige Geschichte in Form von Kolonialgebäuden, deutschen Straßennamen und der Begegnung mit einer weißen Vermieterin, die in der schwarzen Bevölkerung nur das Böse sieht, genug Input uns schlau machen zu wollen und dafür zu sorgen, dass diese Gräueltaten nicht vergessen werden. Unsere Verantwortung liegt nicht in der Vergangenheit, sehr wohl aber in der Gegenwart und Zukunft.

Das war nun das Wort zum Sonntag 🙂

Wir verlassen den geschichtsträchtigen Waterberg und fahren wieder die Sandpiste aus dem Naturschutzgebiet raus. Auf dem Hinweg vor zwei Tagen durften wir schon direkt am Straßenrand eine wirklich wunderschöne große Blume bewundern. Heute wird an genau dieser Stelle um die Pflanze rundherum gegraben. Zwei Biologen erklären uns, dass sie dieses selten große Exemplar vor den baldigen Straßenbauarbeiten retten und umbetten wollen.

Wunderschönste Blume, die wir in Namibia gesehen haben 🙂

Echt große Blüten!

Das seltene Exemplar wird vorm Straßenausbau gerettet und umgepflanzt

Für uns geht es weiter in Richtung Erongo Gebirge. Wir haben von einem Klettersteig gehört, den man dort machen können soll. Mal schauen, ob wir wirklich bis dorthin kommen, denn erreichbar ist er wohl nur über eine Farm. Die allerdings ist laut Google geschlossen. Aber vielleicht gibt es ja einen Hintereingang 😉

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