Weltreise Tagebuch

#66 Auf Elefantensafari

Carsten

27. Mai 2018

 

Elefanten wollen wir sehen! Freilebende! Gerne auch viele davon und am liebsten noch Neugeborene. Dafür fahren wir nach Polonnaruwa, um von dort in einem weniger bekannten und nicht überlaufenden Nationalpark auf Safari zu gehen.

Eigentlich wollten wir die Busse nach unserem ersten Eindruck in Sri Lanka nicht nutzen, aber es würde zwei Tage dauern um mit der Bahn an den nächsten Ort zu kommen und mit dem Bus sind es nur ein paar Stunden. Es gibt zwar keinen direkten Bus von Ella nach Polonnaruwa, aber unser Gastgeber fährt uns am Sonntag morgen um 5.00 Uhr eine dreiviertel Stunde mit seinem Tuk Tuk nach Badulla wo wir mit dem Bus weiterfahren können. Zusätzlich haben wir von unseren Gastgebern für unsere Fahrt süße Kokospancakes, Bananen und Wasser mitbekommen. So herzlich und hilfsbereit wie wir empfangen wurden, werden wir auch wieder verabschiedet 🙂

Am Busbahnhof ist zu unserer Überraschung richtig viel los. Jede Menge Busse fahren in alle Richtungen und sind gut gefüllt – um 6.00 Uhr Morgens am Sonntag, unglaublich!
Wir haben Glück, unser Bus ist noch recht leer und wir können uns in die erste Reihe setzen. Dort haben wir Platz für unser „Handgepäck“ und ich kann meine Beine immer mal ausstrecken. Das ist echter Luxus bei den engen Sitzabständen. Nach und nach füllt sich auch unser Bus und unsere Reise mit dem wenig vertrauenserweckenden Bus geht los. Entgegen unseren Befürchtungen ist die Busfahrt halb so wild. Es gibt keine gruseligen Überholmanöver und gehupt wird auch nicht alle zwei Sekunden. Wir bezahlen tatsächlich nur den offiziellen Fahrpreis und alle Mitreisenden sind, als es richtig voll wird, sehr rücksichtsvoll im Umgang miteinander. Während der Fahrt steigen immer wieder Händler für eine kurze Zeit in den Bus und versorgen die Reisenden mit warmen und kalten Speisen, Getränken oder Glückslosen. Verhungern muß hier keiner. Auch Bettlern die den Bus besteigen wird mit kleinen Gaben geholfen. Busfahren in Sri Lanka ist eine gute Wahl um von A nach B zu kommen und nebenbei einiges vom realen Leben in Sri Lanka mit zu bekommen. Keine Furcht, Busfahren ist hier besser als sein Ruf, vielleicht abgesehen von der Luft im Straßenverkehr. Die ist definitiv schlechter als ihr Ruf. Nach einer Stunde bei offenem Fenster hast Du schon reichlich Ruß in der Nase und auch sonst am Körper. Nicht soo toll, aber auch kein Wunder, bei dem was die alten Fahrzeuge alles rauspusten ;-(

Samosas und anderes Frittiertes als Mittagssnack
Reger Betrieb am Busbahnhof
Lecker, aber echt scharf!
Tolle Blicke während der Busfahrt auf das Bergland
Und auch auf viele Reisfelder 🙂
Um 11.00 Uhr kommen wir in Polonnaruwa an und laufen schon ein paar Minuten später im Sun Guesthouse ein -unser neues Domizil mit einem weiteren sehr hilfsbereiten und herzlichen Gastgeber. Wir haben unser Zimmer noch nicht bezogen, da bekommen wir von Sumith schon die ersten Tipps wie wir günstig und problemlos unsere Wunschziele erreichen. Und weil gerade alles so gut läuft, buchen wir auch gleich eine Nachmittagssafari im Kaudulla Nationalpark. Um 14.00 Uhr geht’s los. Wozu in Ruhe ankommen, wenn man auch gleich Elefanten suchen kann 😉
Bitte einsteigen zur Safari!
Unser Fahrer
Fuhrpark

Der Kaudulla Nationalpark ist einer von 24 Nationalparks in Sri Lanka und beheimatet über 300 Elefanten und natürlich noch viele weitere Tiere. Er liegt etwas abseits der üblichen Touristenpfade und ist deshalb weniger besucht, was uns sehr entgegen kommt. In großen Gruppen mit vielen Jeeps auf einmal ist nicht so unser Ding. Wir mögen es ja bekanntlich ruhiger ? Unser Fahrer kommt mit einem safaritauglichen Geländecabrio und wir sind die einzigen Passagiere. Eine Gruppentour gab es aktuell nicht und die Privattour ist so günstig, dass wir nicht nein sagen können ? Dekadent fahren wir in unserem Privatjeep ca. eine Stunde bis zum Nationalpark.
Dann wird das Dach aufgerollt und wir bekommen schon gleich jede Menge Vögel zu Gesicht.

Buntstorch
Grüner Bienenfresser – hübsches Kerlchen
Die Staubpiste wird ruppiger und ich kämpfe wieder einmal gegen Schläge und Schaukeln an. Es nutzt nix, gut festhalten und Augen auf 🙂 Als erstes sehen wir Pfauen, Reiher, Buntstörche, Adler, bunte unbekannte Vögel, Schnepfen und viele Wasserbüffel. Eine grandiose Vielfalt in wunderschöner Natur. Aber leider keine Elefanten. Auf und neben der Staubpiste liegen immer wieder Hinterlassenschaften von Elefanten, mal alt und eingetrocknet, mal frisch und saftig 😉 . Irgendwo müssen sie doch sein, zu übersehen sind sie doch eigentlich nicht. Unser Guide ist guter Dinge und wir hoffen weiter.
Zu uns gesellen sich noch zwei weitere Jeeps mit einheimischen Touristen die auch auf der Suche sind. Wir rollen in einer Dreier Kolonne durch den Park und durchqueren manchen Bachlauf. Und dann sehen wir sie. Eine kleine Gruppe Elefantenkühe. Die Sri Lanka Elefanten wiegen zwischen 2000-5500kg und haben nur vereinzelt kleinere Stoßzähne. Wir sind begeistert und schauen ihnen eine Weile beim entspannten Grasen zu. Nachdem die ersten Fotos gemacht sind und unsere leichte Aufregung abebbt, fahren wir weiter und hoffen auf weitere Begegnungen.
Ein paar Minuten später sehen wir eine weitere Gruppe Elefantenkühe, diesmal mit ihrem Nachwuchs. Einer von ihnen ist gerade mal 20 Tage alt und voller Flaum. Voll süß! Wir stehen mit einem Sicherheitsabstand in ihrer Nähe und freuen uns über diesen Moment. Nadine findet, wir stehen zu dicht bei den Tieren und ihr wäre das gar nicht geheuer. Sie sollte recht behalten! Eine Elefantenkuh, die größte von allen mit einem Gewicht von ca. 3500kg! beschließt in unsere Richtung zu gehen. Die ersten Schritte noch langsam. Aber plötzlich rennt sie auf unseren Jeep zu. Alles geht ganz schnell! Unser Guide startet den Motor und gibt Vollgas. Der Elefantenkuh fehlen gerade mal anderthalb Meter bis zu unserem Jeep! Wow, da haben wir nochmal Glück gehabt. Bei dem Gewicht und der Geschwindigkeit der Elefantenkuh hätten wir kein Unentschieden erlebt ? Wir hätten nicht gedacht, dass Elefanten derart schnell beschleunigen können. Ganz gut, dass wir nicht aussteigen durften und unser Guide schnell reagiert hat. Auch gut, dass Nadine sich vor lauter Panik nach vorne gebeugt hat, da konnte ich wenigstens noch schnell ein Foto von der Herantobenden machen ?
Kurzer unbewachter Moment
Wir sind nah dran an der Elefantengruppe…
Bevor die beschützenden Elefantendamen wieder da sind 😉
…zu nah dran wie diese Elefantendame findet.
Als sich die Aufregung gelegt hat, sehen wir wie die Elefantengruppe zum Kaudullasee stiefelt, um ein paar Schlucke trinken zu gehen. Das winzige Junge wird dabei, so oft es geht, von den Erwachsenen zwischen ihren Körpern und Beinen gehalten, damit es immer gut geschützt ist. Sie planschen eine Weile bis sie wie abgesprochen alle gemeinsame wieder kehrt machen und den See verlassen. Es ist ein tolles Erlebnis diese Riesen live in Freiheit erleben zu dürfen! Einer der drei Jeeps kommt etwas verspätet hinzu und unser Guide ruft den Fahrer sofort an, um ihn vor der etwas ungehaltenen Elefantenkuh zu warnen. Mit einem großen Bogen schließt dann auch dieser Jeep auf und nun bleiben alle drei beieinander. Wie schon auf Sumatra bei den Orang Utans sind die Guides sehr gut vernetzt und helfen sich wo sie können.
Mal eben ein paar Liter schlürfe 🙂
20 Tage altes flauschiges Elefantenbaby
Es ist überhaupt schön zu sehen wie hier versucht wird jedem zu helfen. Dieser Nationalpark wurde geschaffen um Konflikten zwischen Tier und Mensch Einhalt zu gebieten. Nachdem das Gebiet durch Stauseen trockengelegt wurde brauchte es Raum für die Wanderungen der Elefanten bei gleichzeitiger Berücksichtigung des menschlichen Lebensraumes. In alter singhalesisch-buddhistischer Tradition wurde nicht die Beherrschung oder Beseitigung der Elefanten gewählt, sondern ihrer Lebensweise Beachtung geschenkt und ihnen ausreichend Lebensraum ermöglicht. Solche Pufferzonen und der Respekt vor dem Leben aller machen es möglich, dass in Sri Lanka auch wildlebende Tiere eine Chance haben und mit etwas Glück selbst zu sehen sind.

Wer zum richtigen Zeitpunkt vor Ort ist kann im Frühjahr und Herbst Wildelefantenherden bei ihrer Wanderung von Nord nach Süd bzw. umgekehrt erleben, die jedes Jahr diesen See als Tränke nutzen. Leider lebt nicht jeder diese Tradition und wir werden immer wieder Zeuge vom Gegenteil. Aber das ist bei uns zu Hause ja auch nicht anders.

Zwischendurch dürfen wir den Wagen auch einmal verlassen, als wir an einem See stoppen. Ob es hier Krokodile gibt? Sehen tun wir auch nach intensivem Schauen keine, aber dafür können wir große Greifvögel beim Hochschrauben in Thermiken beobachten und Graupelikane, die auf der Suche nach Futter sind.

Unser Safari Outfit
Auf unserem weiteren Weg erleben wir noch weitere Elefanten und unter anderem einen balzenden Pfau, der mit seinem großen Rad eine Dame erfolglos bezirzt. Leider sehen wir ihn nur von hinten und nachdem sie weggegangen ist, lässt er sich und seine Federn deutlich hängen. Voller Neugier geniessen wir noch Vogelschwärme, Adler und einfach jeden Moment und jede Aussicht. Um 18.00 Uhr schließt der Nationalpark und für uns geht es nun glücklich zurück nach Polonnaruwa.
Mahlzeit!
Die Eleganz und Abgehobenheit schlechthin!

Auf der Rückfahrt beginnt es schnell zu dämmern und am Himmel sind hunderte von Flughunden auf der Suche nach Nahrung zu sehen. Ein weiteres tolles Spektakel für unsere nun schon müden Augen.

Auch wir haben nun ordentlich Hunger und freuen uns schon auf’s vorbestellte Curry. Uns erwarten einmal mehr verschiedene Currys mit Reis. Wieder mega lecker und wieder viel zu viel ? Vollgestopft in jeder Hinsicht fallen wir müde ins Bett. Morgen geht es um 6.30 Uhr gleich weiter mit dem nächsten Highlight.

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