Weltreise Tagebuch

#131 Frische Meeresbrise und Flamingo Watching

Carsten & Nadine

15. Dezember 2018

Wir fahren Richtung Küste, begegnen einem Strauß hautnah und fahren durch Canyons, wilde Mondlandschaften und gelb-leuchtende Steppen. Außerdem sehen wir uns eine der größten Dünen der Welt an bevor wir in die Küstenstadt Walvis fahren. Wir wollen unbedingt die Flamingos kennen lernen, die hier leben sollen. Hoffentlich sind sie auch heute da 😉

Die letzten Tage waren mega schön und hinterliessen trotzdem ihre Spuren. Es wurde Zeit, warmem Wasser sei Dank die Wandershirts auszuwaschen und dank reichlich Steckdosen mal wieder alle Akkus voll zu machen. Auch gönnen wir uns heute eine längere Nacht und schlafen etwas aus. Entspannt machen wir uns auf unsere Weiterfahrt zur Küste nach Walvis Bay südlich von Swakopmund.

Heute geht es uns um faszinierende Vögel und wieder einmal mehr um tolle Weiten. Nadine startet den Motor und fährt erstmals und mit einem breiten Grinsen im Gesicht eine Tiefsandpiste, die uns von der Campsite zur Hauptstraße führt 🙂 Noch bevor wir wieder in den riesigen Naukluft Nationalpark hineinfahren, steht eine Herde Bergzebras am Pistenrand und bekommt natürlich unsere Aufmerksamkeit. Wir freuen uns einfach über jedes Tier in freier Natur 🙂

Bergzebras

Und dann auch noch vor so einer tollen Kulisse!

Tafelberg trifft Kegelberg

Afrika – wie wir es uns vorgestellt haben 🙂

Trotzdem wollen wir bald weiter, denn auch heute werden wir 250km Schotterstraße fahren und noch ein paar Hotspots anfahren. Der nächste Hotspot ist allerdings ein äußerst temporärer. Während wir so dahin rollen und den Staub nach uns ziehen, steht plötzlich ein Strauß direkt an der Piste unter einem Baum. Und er bleibt tatsächlich stehen und läuft nicht weg. Wir rollen Meter für Meter heran und er bleibt bei uns. Mega! Ein Gefühl von „Wow“ bis hin zu „hoffentlich fühlt er sich nicht bedroht und greift uns an“. Wow überwiegt und wir bleiben auch hier noch eine Weile stehen.

Der Vogel Strauß steckt übrigens nicht seinen Kopf in dem Sand, das ist eine Überlieferung von Unwissenden, die vermutlich schlafende Sträuße gesehen haben, die ihren Hals und Kopf dann entweder in ihrem Gefieder ablegen oder gerade auf den Boden. Möglich sind auch optische Täuschungen bei der Beobachtung der Tiere bei flirrender Hitze. Auf jeden Fall ist es mal wieder der Unersättlichkeit des Menschen zu verdanken, dass sie in manchen Regionen ausgestorben sind und eine Art, der Arabische Strauß, 1966 zur Gänze ausgerottet wurde indem er bis zum letzten Exemplar gejagt und getötet wurde. Heute wird er teilweise weltweit gezüchtet um das Fleisch und dessen Haut zu nutzen. Federn und Eierschalen dienen zur Deko und besonders die Eier haben in verschiedenen Religionen mystische Bedeutungen bis hin zur Jungfräulichkeit. Wo wir dann wieder die Sache mit dem Kopf und dem Sand…ach lassen wir das.

Bisschen grimmig, oder?

Aber bei der Mittagshitze kein Wunder 😉

Federpflege

Der Strauß beim Blinzeln – das Nicklid versorgt sein Auge von der Seite her mit Feuchtigkeit

Kopf hoch!

Sträuße können bis zu 70km/h laufen und bis zu 250cm groß werden. Ihr Revier ist normalerweise 2-15 Quadratkilometer groß – nur für den Fall, dass Du das Gehege im Zoo ausreichend findest 😉
Ihre Eier sind mit ca. 15cm Durchmesser die größten der Welt (ca. 24 Hühnereier passen theoretisch hinein), jedoch sind sie im Vergleich zur Körpergröße die kleinsten 🙂 Sträuße sind vorwiegend Pflanzenfresser und picken nur sehr selten Insekten mit auf. Richtig groß ist der Anteil an Verdauungshilfen wie Sand und Steine. Bis zu 45% dieser Helferlein befinden sich im Magen der Tiere. Na dann guten Appetit 🙂

Die Landschaft verändert sich und Farben auch. Nun überwiegen gelbe Steppengräser, Sand und Weite gepaart mit blauem Himmel. Diese Farben und das Licht ist hier vielleicht nicht einzigartig, aber wirklich mega schön und definitiv anders als wir es aus Europa kennen. Tiere sehen wir hier in dieser schön anzusehenden Weite keine mehr. Halt stopp, da ist doch noch wer. Nicht am Boden, aber dafür in der Luft. Wir sehen unseren ersten Aasgeier in der Thermik seine Runden ziehen und gleich ist er auch schon weit weit weg – wir sehen wohl noch zu frisch aus 😉

Endlose Weiten

Unsere erste Aasgeier Sichtung!

Grasland

Die Straße verliert sich in der Erdkrümmung

Leider sind 7 von 11 Geierarten in Afrika vom Menschen bedroht, weil sie vergiftet werden um Haustiere zu schützen und gewilderte Tiere wie Elefanten schlechter auffindbar zu machen. Doch das Thema gab es auch schon in Indien, wo in den 1970er Jahren Diclofenac Rindern verabreicht wurde und sich der Asiatische Geier dadurch vergiftete. 99% der Geier starben an den Folgen und der Bestand erholt sich leider nur extrem langsam, wodurch die Entsorgung von Kadavern in Indien nun staatlich geregelt wird und ca. 1,5 Milliarden US$ im Jahr kostet. Dieses ist notwendig um der Verbreitung von Krankheiten, die auch auf den Menschen übertragen werden zu verhindern. So schaut es aus, auch Aasgeier braucht unser natürlicher Kreislauf 😉

Um uns herum scheinen Hunderte von Hügeln oder Bergen zu sein, die uns mal mehr mal weniger weit entfernt begleiten. Richtig beindruckend wird es am 20 Kilometer langen Kuiseb Pass der uns durch eine Landschaft fahren lässt, die von einem anderen Planeten scheint. Der Kuiseb Canyon gehört zu dem riesigen Gebiet des Khomashochlands und liegt zwischen 1000 und 2000 Meter über dem Meeresspiegel. Das wir da öfter mal anhalten ist klar, oder 😉

Fahrt durch den Kuiseb Canyon

Wahnsinns Panorama!

Aussicht geniessen, Brotzeit machen und mit Fahrerwechsel geht es weiter und siehe da, wir sind schon wieder zurück im Naukluft Nationalpark. Nicht weil wir wieder zurück gefahren sind, sondern weil er sich dermaßen weit in den Norden zieht, dass wir ihn nur verlassen hatten, weil die Straße aufgrund der Berge eine Schleife ziehen mußte 😉

Die Landschaft ändert sich deutlich, als wir in Richtung Küste kommen und als nächstes wartet eine der höchsten Dünen der Welt auf uns, die Düne 7 mit über 300 Meter Höhe kurz vor Walvis Bay. Es ist nun 14.00Uhr, die Sonne glüht unerbittlich und der Straßenbelag ändert sich wieder. zu Asphalt. Und somit auch der geforderte Reifendruck. Luft muss rein und der Kompressor wieder raus. Trifft sich gut, dass hier beim Belagwechsel auch gleich eine Freifläche neben der Piste ist. Allerdings befindet sich hier wie üblich vor den Städten eine Polizeikontrolle, die vor allem Alkoholkonsum checkt und sich meistens die Papiere zeigen läßt. Urlauber werden seltener geprüft und wenn deutlich weniger streng – meistens. Unsere Internationalen Führerscheine werden akzeptiert, trunken sind wir höchstens von den tollen Eindrücken des Tages. Wir dürfen auf Nachfrage auch kurz beiseite stehen und unsere Reifen aufpumpen. Auch wenn es hier an der Küste im Schatten deutlich kühler ist als im Innland, das direkte Sonnenlicht kennt keine Gnade.

Nach ein paar hundert Metern erreichen wir den Parkplatz der Düne 7 und wir stehen mit unserem Wagen am Fuße der Düne zwischen einigen einheimischen (heute ist Samstag) und südafrikanischen Familien (Schulferien), die hier picknicken und die Düne hinaufgehen und wieder runterrutschen oder laufen. Musik schallt aus allen Ecken, die Grills sind angeworfen und wer möchte kann noch Quad Touren über den Wüstensand buchen. Die Nähe zur Stadt sorgt für eindeutig mehr Halligalli als im geschützten Nationalpark, denn siehe da, dieser Dünenabschnitt gehört tatsächlich nicht mehr zur Schutzzone. Der Küstenbereich zwischen Swakopmund und Walvis Bay wurde ausgeklammert, der Industrie und dem Flughafen zu Liebe und bietet nun auch Raum für weitere Ausnahmen. Auch wenn der Ausblick von oben toll sein soll und es überhaupt nicht nach 300m aussieht, bleiben wir im Wagen und am Boden, es ist uns schlicht viel zu heiss ohne ein Wölkchen am Himmel 😉

Düne 7 in der Nähe von Walvis

Normal ist hier nichts los, aber heute ist Samstag und Ferienbeginn 😉

Also los, ab ans Meer, wir wollen Wind und Flamingos. Hunderte Flamingos auf einmal! Wir werden nicht enttäuscht, der Wind bläst und die Flamingos sind auch zur Stelle. Es sind viele und auch nah an der Küste, nur leider sehr scheu und ihr Misstrauen baut sich auch bei laaangsamer Annäherung und äußerst ruhigem sitzen nicht ab. Sie staksen einfach immer wieder weg von uns. Schade, aber okay, dann ist es eben so und wir bleiben einfach sitzen wo wir sind um keine weitere Unruhe zu stiften. Tolle Tiere und deshalb gibt es auch hier noch ein paar Infos 🙂

Neuankömmlinge

Flamingos färben sich rosa ein, da sie Planktion zu sich nehmen…

…und dieses Planktion besitzt Farbpigmente, die sich dann einlagern. Verrückt!

Sie können bis zu 50 Jahre alt werden und ihre Größe reicht an die 155cm (also die Größe von Nadine!). Wenn sie auf einem Bein stehen, brauchen sie weniger Kraft und Energie als mit zwei Beinen, da sich auf einem Bein ein Gelenk quasi arretiert und somit auch zum Schlafen taugt – sie könnten somit selbst tot stehen können. Sie ernähren sich vorwiegend von Plankton und können wie kaum ein anderes Wirbeltier in sehr salzhaltigen Gewässern überleben. Um die Nährstoffe aus dem Plankton zu filtern ziehen sie pro Sekunde 4-5 Mal Wasser durch ihren Schnabel und den darin liegenden Lamellen. Die Nahrungspartikel sind um die 0,5mm klein und Untersuchungen in Venezuela haben ergeben, dass sie ca. 270 Gramm davon pro Tag benötigen, was ungefähr 50.000 Insektenlarven, vor allem Mückenlarven entspricht. Allerdings ernähren sie sich auch von allem anderen, was ihnen in den Schnabel gelangt. Kleine Fische, Kleinkrebse und Würmer gehören ebenso dazu.

Ihre rosa Farbe erhalten sie übrigens ernährungsbedingt durch Pigmente die im Plankton enthalten sind und sich im Federkleid ablagert. Zu guter Letzt, Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich nur in der Größe, das Gefieder ist nahezu gleich 🙂

Bevor wir uns noch einen Sonnenbrand holen, fahren wir mal zur neuen Campsite in Walvis und suchen uns Schatten. Der Nachmittag endet wie üblich mit Zelt aufbauen, kochen und Fotos glotzen, nur das uns diesmal dabei schnell kalt wird. Sobald wir im Schatten hocken, holen wir unsere Wärmejacken, denn die Temperatur sinkt hier an der Küste auf 14 Grad in der Nacht, brrrrr 😉 Namibia ist echt mega abwechslungsreich!

Menü