Weltreise Tagebuch

#42 Hallo Laos – Sabai dii Laos!

Carsten

21. – 28. Februar 2018

Nach dreißig sehr abwechslungsreichen Tagen in Vietnam mit jeder Menge Bus- und Zugkilometern geht es nun mit dem Flieger von Hanoi nach Luang Prabang in Laos. Wir freuen uns auf die vielgerühmte chillige Lebensart der Laoten und das wir uns hoffentlich davon anstecken lassen werden.
Wir wachen also zum letzten Mal in der 6,5 Millionen Metropole Hanoi auf. Zuerst geht es mit dem per App bestellten Grab-Taxi zum Flughafen. Unsere letzten Dongs reichen mit unseren letzten kleinen Dollarscheinen so gerade eben, da zum angegebenen Preis in der App noch Durchfahrtsgebühren auf dem Flughafengelände hinzukommen. Ups, Glück gehabt 😉 Immerhin sind wir nun alle Dongs los, denn die dürfen eh nicht aus dem Land ausgeführt werden. Rucksäcke flugtauglich umpacken und einchecken. Wir sind gut in der Zeit und alles läuft wie geschmiert. Wir sind froh nicht zweiundzwanzig Stunden im Bus nach Laos hocken zu müssen. Wir haben uns gegen diese masochistisch anmutende Variante entschieden und lieber insgesamt 200 Euro für die Flugtickets bezahlt. Direktflug und nur eine Stunde Flugzeit, klingt viel besser 🙂

Flughafen Hanoi

Warten…

Unser Flieger nach Luang Prabang

Unser Flieger ist eine Propellermaschine der Laos Airlines. Schnuckelig klein, ich kann wieder mal nicht aufrecht stehen 😉 finde aber halbwegs Platz für meine Beine im sitzen. Die Crew macht einen super netten Eindruck und wir werden noch analog über die Notausgänge und Schwimmwesten informiert – Sauerstoffmasken gibt es keine an Board. Als die Propeller richtig Gas geben fällt uns auch deren chillige Umdrehungsgeschwindigkeit auf. Laotisch eben.

Nach dem Start bekommen wir sogar Getränke und einen kleinen Snack angeboten. Wir füllen unsere Visa-Anträge aus und ehe wir es uns richtig gemütlich gemacht haben setzten wir auch schon zur Landung an. Aus dem Fenster sehen wir die kleine Stadt Luang Prabang umringt von Bergen und durchzogen vom Mekong. Da lacht das Natufreunde-Herz. 🙂 Wir fliegen nur knapp über die Dächer der 30.000 Einwohner Stadt und landen auf dem nur einen Katzensprung entfernten kleinen Flughafen. Beim Einreiseschalter für Touristen bekommen wir noch unser Dreißigtage-Visum für je dreißig Dollar zzgl. einem Dollar Bearbeitungsgebühr für die anwesenden Beamten 🙂 Am Flughafen heben wir noch am Geldautomaten Laotische Kip ab. Wir freuen uns auf die leichte Umrechnung. 10.000 Kip sind knapp 1€. Easy.

Kurze hupfreie (welch Wohltat!) Taxifahrt und schon beziehen wir unser Zimmer im neuen Phonetavy Gästehaus. Super liebe Thai Familie, die für ihre Gäste Obst und Wasser kostenlos zur Verfügung stellt. Da trifft es sich gut, dass meine Nebenhöhlen erst jetzt kollabieren. Die letzten Tage in Hanoi hat es sich schon angekündigt und nun ist es soweit. Ich hoffe, dass die Luftveränderung hilft und es nicht allzu schlimm wird.

Naturschönheit

Luang Prabang liegt eingebettet zwischen Bergen

Wir bummeln noch ein wenig durch Altstadt und erfreuen uns an der Ruhe. Hier wird nicht mehr gehupt, sondern einfach mal gebremst und abgewartet. Wir können ohne Stress und Angst davor angefahren zu werden die Straßen überqueren. Aber wirklich voll sind sie eh nicht 😉
Überall laufen Mönche in ihren orangenen Gewändern herum und nutzen Schirme als Sonnenschutz. Selbst viele Rollerfahrerinnen haben während der Fahrt Schirme als Sonnenschutz mit dabei. Das reduziert das Fahrtempo gleich nochmals. Sehr schön beschaulich hier in Luang Prabang. Wir sind schon jetzt begeistert von der angekündigt chillig-entspannten Art der Laoten.

Ruhige Altstadt

Wenn man viel los ist 😉

Junge Mönche sind überall zu sehen

Auf geht es ins Bamboo Garden, einem kleinen versteckten Restaurant wo wir richtig leckeres Essen bekommen. Da werden wir noch öfter hingehen 😉 Während ich etwas ausruhe, bearbeitet Nadine Fotos. Am Abend gehe ich noch kurz auf einen der schönsten Nachtmärkte Asiens um an einem veganen Buffet Essen zu holen.

Den nächsten Morgen verpennen wir und wachen beide mit Halsweh auf. Super! Meine Nebenhöhlenentzündung bricht Vollgas durch. Nadine hat Glück. Hanois exorbitante Feinstaubwerte schlagen bei ihr doch nicht ein.

Nach einem kurzen Einkauf frühstücken wir kleine sehr leckere laotische Bananen mit Erdnussbutter und Baguette. Gestärkt arbeiten wir weiter an unserem Blog. Am Abend gönnen wir uns noch einen Altstadtbummel und das vegane Buffet auf dem Nachtmarkt. Dieses täuscht übrigens viele Fleischesser, denn es gibt viel paniertes Gemüse das zum Teil nach dicken Schnitzeln aussieht. Auch wenn vegan auf dem Schild steht, merken es manche erst während des Essens und sehen dabei ziemlich verblüfft aus 😉

Alles vegan hier. Einfach auf den Teller packen und dem Koch geben

Hier wird dein selbst zusammengestellter Teller kurz erhitzt – alles für 1,50€

Markt Aufbau

Der Nachtmarkt gilt als der schönste SO-Asiens

Ein Shopping Paradies

Die nächsten Tage können wir nicht viel unternehmen, da ich flach liege und neben Fieber- auch Schüttelfrostanfälle habe. Wir verlängern unseren Aufenthalt, mit der Hoffnung doch noch ein bisschen was von der Stadt zu sehen. Abends fiebere, huste und rotze ich mich in den Schlaf.

Zwei Tage später: mein Fieber ist etwas gesunken und am Nachmittag schleppe ich mich mit Nadine durch den Königspalast, der uns wenig beeindruckt und nur wieder darauf hinweist, wie erschreckend es ist wenn das Land bitterarm ist und die Monarchen im Luxus leben. Der letzte König war nicht allzu beliebt und kam nach seinem Sturz unter unveröffentlichten Umständen im Umerziehungslager ums Leben. Die Eintrittskarten haben wir netterweise von zwei Engländern geschenkt bekommen. Sie waren sichtlich genervt von dem ganzen hin und her und drumherum. Keine Taschen, keine Fotoapparate, keine Handys und alles bitte einschliessen im Gebäude in der Nähe der Kasse. Steht nur leider nicht dran und so erfährst du es erst am Eingang und darfst nochmals zurück. Danach Schuhe aus und Kleiderkontrolle. Die beiden Engländer hatten darauf keine Lust. Uns hat es gefreut, so brauchten wir den Eintritt nicht zahlen. Beim Eingang ist es dann nochmal irgendwie absurd. Unsere Eintrittskarte wird von der ersten Person gestempelt. Fünf Meter weiter von einer weiteren Person gelocht und wiederum fünf weitere Meter noch gescannt. Sicher ist sicher 😉 Fotografieren durften wir leider nur draußen. Dieses ganze Theater für die zur Schaustellung der letzten Überbleibsel eines Monarchen, der weder gemocht noch respektiert wurde. Seltsam!

Der goldene Krönungstempel

Der Königspalast – jetzt ein Museum

Im Anschluss geht es für mich mit 39,4 Grad Fieber ins Bett, wo ich den Rest des Tages und der Nacht bleibe. Nix mehr mit essen, nur noch dösen und schlafen. Nadine arbeitet weiter fleissig am Blog, passt auf mich auf und verlängert unser Zimmer. An Weiterreisen ist gerade nicht zu denken.
Die Nacht ist rum und ich bleibe leidend im Bett zurück.

Nun erzählt Nadine, was sie ohne mich erlebt:

Ich lasse meinen kranken Mann zwar nur ungern zurück, aber ich will ja nicht lange fortbleiben 😉 Als erstes nehme ich mir den Tempelberg Phou Si vor. Der ist vermutlich nur so um die 100m hoch, aber die 329 Stufen nach oben schlauchen selbst jetzt in der Morgenwärme gut. Die Treppen führen durch einen kleinen Wald, in dem mit jedem Schritt den ich aufsteige ein immer lauter werdendes Insektengeschrei auffährt. Beeindruckend wie laut die werden können. Oben angekommen kann ich eine aus Bananenblättern und Ringelblumen gebastelte Opfergabe für den Tempel oder einen gefangenen Spatz kaufen, der mir Glück bringen soll, wenn ich ihn frei lasse. Auch wenn mir die Spatzen leid tun, mag ich diese Tradition nicht unterstützen.

Opfergaben für den Tempel – rechts Bambuskäfige mit Spatzen

Freie Spatzen sind uns lieber!

Auf der Aussichtsplattform kann man die umgebende Bergwelt und die beiden Flüsse Mekong und Nam Khan sehen. Darin eingebettet, die Altstadt, die auf einer Landzunge zwischen beiden Flüssen liegt und randvoll mit Tempeln und Klöstern ist. Dank dem Titel des UNESCO Weltkulturerbes werden diese auch gut erhalten. Von hier oben sieht man die vielen Mönche und Novizen, die mit ihren orangefarbenen Gewändern einfach zum Stadtbild dazu gehören. Jeden Morgen um 6 Uhr gehen sie von Straße zu Straße und sammeln von den Gläubigen Lebensmittel und andere Gaben ein. Dieser Almosengang ist so berühmt geworden, dass ganze Touristenhorden nebst Kameras mitlaufen und die Mönche mit einem wahren Feuerwerk an Blitzlichtern einhüllen. Um die guten Plätze wird gerangelt und wir beschließen diese Tradition den Gläubigen zu überlassen.

Auf dem Phou Si selbst gibt es neben dem Tempel noch eine kleine Höhle, liegende Buddhas, aufrechte Buddhas, einen Fußabdruck Buddhas (der so groß ist, das ich darin in voller Länge liegen könnte) und weitere Heiligtümer. Den Abstieg nehme ich zur anderen Seite hin und komme in der Altstadt an.

Würde man in Luang Prabang wirklich jeden Tempel besuchen, müsste man bestimmt mehrere Tage bleiben. Ich beschränke mich daher auf den ältesten der Stadt – Vat Xieng Thong. Neben der Ordinationshalle (= das Herzstück), kann man auch kleine Kapellen, eine Bibliothek und eine Begräbniskapelle bewundern. Alles mit viel Gold überzogen und einer liebevoll detaillierten Architektur gebaut. Wirklich schön und sehenswert. Besonders die typischen Staffeldächer sehen aus, wie aus einem Märchenbuch entsprungen.

Vat Xieng Thong von vorne

Vat Xieng Thong mit Lebensbaum hinten

Vat Xieng Thong

Vat Xieng Thong von vorne

Goldene Begräbniskapelle mit zahlreichen Buddha Statuen im Inneren

Ein Mönch verschließt einen kleinen Tempel

Auf meinem Rückweg komme ich an weiteren Tempeln vorbei und bei dem ein oder anderen werfe ich dann doch noch einen Blick hinein. Allerdings trägt mich die Mittagshitze relativ schnell zurück zur Unterkunft wo es Schatten und eine Klimaanlage gibt 😉

Gegen Mittag kommt Nadine hungrig und verschwitzt zurück. Mein Fieber ist abgeklungen und es geht mir tatsächlich deutlich besser. Also auf ins Bamboo Garden Abendessen, Frühstück und Mittagessen nachholen. Danach zurück ins Gästehaus, dem Kreislauf eine Chance geben 😉
Am Abend geht es wie so oft zum Nachtmarktbuffet, wo wir auf Josie treffen. Josie, eine alleinreisende Veganerin aus Berlin trafen wir das erste Mal im Sierra-Homestay in Ninh Binh, Vietnam. Dort trennten sich gleich wieder unsere Wege und nun sitzen wir plötzlich unabgesprochen in Luang Prabang in Laos beim Essen nebeneinander. Die Welt ist klein. Wir tauschen unsere Kontaktdaten und Restauranttipps und wollen uns morgen auf ein Bier wiedersehen.

Unser letzter Tag steht unter dem Motto Shoppen gehen. Bustickets für unsere Weiterfahrt nach Nong Khiaw, eine laotische Simkarte und Flip Flops für mich, meine ersten soweit ich denken kann.
Nach dem Einkaufen geht es noch auf die saisonale Bambusbrücke, die nur sechs Monate im Jahr, nämlich in der Trockenzeit, aufgebaut ist und über den Nam Khan führt. Es ist eine tolle Konstruktion die an vielen Stellen nur durch alte Keilriemen fixiert ist.

Bambusbrücke – stabiler als sie aussieht!

Bequem ist sie auch 😉

Interessante Fixierung der Bambusrohre

Zum Mittagessen geht es in ein von Josie empfohlenes Restaurant, wo es die laotische Spezialität Laap sehr lecker in vegetarisch/vegan geben soll. Das eigentliche Fleischgericht wird dort mit geräuchertem Tofu zubereitet und schmeckt mit all seinen Zwiebeln und Kräutern super lecker und intensiv. Abends wollen wir uns mit Josie noch im Utopia, einem zurecht angesagten Mix aus Bar, Restaurant, Musikclub und Riverview-Terrassen-Garten treffen. Toller Laden mit leckerer Pizza und natürlich Cocktails und dem schmackhaften Lao Bier. Wir plaudern über unsere Reisepläne und das schon Erlebte. Dann trennen sich unsere Wege wieder, denn Josie fährt in den Süden und wir in den Norden von Laos.

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