Weltreise Tagebuch

#51 Hitzeschlacht in Vientiane

Carsten

18. – 20. März 2018

Auf geht’s nach Vientiane, sie soll die entspannteste Hauptstadt Asiens sein und hat aktuell mehr als 700.000 Einwohner. Über 35 Grad im Schatten sind deutlich über unserer Wohlfühltemperatur, trotzdem wollen wir uns einiges anschauen, denn Vientiane ist unsere letzte Station in Laos bevor wir ausreisen müssen.

Wir wollen wieder mit so einem lässigen Überlandbus fahren, sie sind bequemer als die Minibusse und von den sogenannten VIP-Bussen haben wir auch nichts Gutes gehört. Die Aussagen der ganzen Ticketshops sind wage bis nichts sagend. Also fahren wir direkt zum Busbahnhof um uns aus erster Hand über unsere Möglichkeiten zu informieren. Es ist fast nicht zu glauben, aber in die Hauptstadt fahren private Minibusse, große Tuktuks und uralte schrottige VIP-Busse.
Okay, auf Grund meines Ischias Nerves fallen die ersten beiden Optionen aus. Dann wird es eben ein VIP-Bus, wenigstens soll man dort halbwegs sitzen können. Wir sind wirklich überrascht, dass ausgerechnet in die Hauptstadt keine „normale“ Buslinie verkehrt.
Am nächsten Morgen stehen wir also am Busbahnhof und warten wie auch weitere Reisende auf unseren Bus. Offizielle Ansagen gibt es keine und so stürzen sich alle auf den ersten Bus der vorfährt. Wir haben Glück, es ist der Bus nach Vientiane und wir können einsteigen. Nadine findet gute Plätze weit vorne und ich kümmere mich ums Gepäck. Was ein Bus, überall steht VIP drauf und die Restbestände lassen erahnen, dass dies wirklich mal ein super Bus war. Allerdings ist alles total heruntergekommen und kaputt. Was nicht irgendwie mit Tape geklebt, geschraubt oder genagelt werden konnte, wurde ausgebaut. Innen wie aussen Schrott. Keine Ahnung ob das gut geht. Nach ca. 15 km wissen wir es. Es geht nicht gut. Der Bus bleibt liegen.

VIP-Bus von innen. Leider kommen der elende Zustand und die ganzen provisorischen Fixierungen nicht rüber.

1. und 2. VIP-Bus und man beachte die sauber geklebte Frontscheibe 😉

Nach einer halben Stunde kommt der Ersatzbus. Noch so ein Prachtstück, aussen wie innen fast genauso Schrott wie der alte, aber er hält durch und bringt uns, wenn auch bergauf im absoluten Schneckentempo, ans Ziel. So haben wir halt statt drei Stunden viereinhalb gebraucht. VIP-Busse sind in armen Ländern wie Laos schon eine Erfahrung für sich 🙂 Vientianes Taxifahrer empfangen uns recht unaufdringlich und der Verkehr ist auch nicht sonderlich chaotisch. Es ist tatsächlich entspannt hier in der Hauptstadt.
Unser Bayern-Guesthouse liegt fußläufig und auf uns wartet die erste deutschsprachige Unterkunft in Asien. Ein seltsames Gefühl, ist doch normalerweise Englisch die Sprache der Hotellerie und daran haben wir uns schon sehr gewöhnt. Doch die beiden laotischen Besitzer haben 30 Jahre in Bayern gelebt und führen nun ein äußerst sauberes Gästehaus. Wir hatten die Hoffnung, das auch die Klimaanlage schimmelfrei ist, leider ist sie das nicht. Man kann halt nicht alles haben, auch nicht bei 35 Grad im Schatten.

Wir bummeln zum Vat Ongteu und gehen wegen dortiger Bauarbeiten gleich weiter zur Mekong Promenade. Es ist wirklich auffallend wie wenig westliche Touristen hier herumlaufen und so verwundert es uns auch nicht, dass wir den ersten Nachtmarkt sehen, auf dem die Waren ausgezeichnet sind. Überall stehen Preise dran, die uns nachdenklich machen. T-Shirt ab 95ct, Hose ab 1,50€, Kindersachen ab 90ct, Sonnenbrillen ab 1.50€, Schuhe ab 3.50€
Es handelt sich hierbei um Neuware! Unfassbar. Wie geht das?
Natürlich wird auch jede Menge Handyzubehör und Schnickschnack der nett ausschaut angeboten. Dazu kommen Ess- und Getränkestände. Auf der Mekong Promenade wird noch Pediküre angeboten und auch angenommen. Ein etwas ungewohntes Bild, wenn sich neben dir plötzlich Männer wie Frauen die Fußnägel machen lassen, während du dir den Sonnenuntergang anschaust 😉

Arm und Reich am Mekongufer

Die Mekonguferpromenade bietet reichlich Platz zum Verweilen

Der Nachtmarkt füllt sich langsam…

…und die Händler sind gerichtet.

Ein neuer Tag und wir gehen gleich mal in Richtung „Siegestor“, dem Patuxai. Die französischen Kolonialisten haben auch hier ihre Spuren hinterlassen. Auch wenn wir früh vor Ort sind und das Gebäude gerade erst öffnet sind schon recht viele Besucher da. Glücklicherweise brauchen Gruppen etwas länger um sich zu organisieren während wir schon hinaufgehen und ein paar ruhige Momente on Top haben. Hier hat man eine gute Möglichkeit in alle Richtungen zu schauen. Das Putaxai ist schön verziert und auch wenn im Innern Verkaufsstände mit Touristengedöns sind, lohnt sich der Weg hierher. Doch nun geht’s weiter im immer heisser werdenden Schein der Morgensonne zum bedeutendsten religiösen Monument von Laos, dem That Luang.

Putaxai mit Rollern auf dem Gehweg 😉

Die Aussicht von oben ist wirklich gut

Die aufwendig gestaltete Decke des Torbogens ist schon ein Hingucker

Apropro Hingucker 🙂

Wir laufen gefühlt ein paar Kilometer und der Schweiss läuft mit. Hätten wir doch ein Tuktuk genommen… Aber der Gedanke an Preisverhandlungen und Abzocke lässt uns lieber laufen. Noch. 😉

Das Gelände ist sehr groß und auf den ersten Blick etwas unübersichtlich. Da wir eh keine Ahnung haben was wie wichtig ist und uns vorwiegend der ästhetische Aspekt interessiert gehen wir einfach mal drauf los. Eintritt wird nur an einer Stelle gefordert und die dortige Ausstellung ist nicht gerade üppig. Egal, buchen wir es halt unter Spende ab 😉 Insgesamt sind es schöne Gebäude, Statuen und Impressionen die wir erleben können. Mönche mit Smartphones haben wir ja schon oft gesehen, aber posierende Mönche die sich gegenseitig fotografieren erleben wir hier zum ersten Mal. Wie die Zeiten sich ändern. 😉

Wir haben das Gefühl einem kleinen Tempel Overflow erlegen zu sein. Uns reicht es, die Hitze macht uns immer mehr zu schaffen, da die Sonne nahezu senkrecht über uns steht. Kurze Trinkpausen im Schatten helfen nun auch nicht mehr weiter, es wird Zeit einen kühlen Ort aufzusuchen und am besten gleich noch zu Mittag zu essen. Also los, ab zur Hauptstrasse und ein Tuktuk anhalten. Wir queren erst einmal einen riesigen Parkplatz, der daran erinnert, das hier im Oktober/November ein Fest mit über 10.000 Pilgern stattfindet, inklusive Kirmesattraktionen. Heute ist er fast menschenleer.

Schleppende Händler…

…erschöpfte Händlerin…

…und Mopedfahrer, aber kein Tuktuk 🙁

Auf der Hauptstrasse sehen wir keine Tuktukfahrer. Wo sind sie, wenn man sie mal braucht? Mittag machen! Wir laufen also kilometerweit ohne dass uns auch nur ein Tuktukfahrer anspricht. Das hatten wir in den letzten Monaten noch nie. Normalerweise heisst es alle paar Meter „Tuktuk?“ Und nun wo uns sogar der Preis fast egal wäre, nix. Wir kommen in unserem ausgewählten Lokal an und freuen uns über einen kühlen Raum, kalten Getränken und leckerem Essen.

Diese Pause tut wirklich gut, denn es ist noch ein bisschen hin bis zum Gästehaus. Also weiter geht’s und weiterhin kein Tuktuk in Sicht. Wir wünschen uns ein Eis oder einen kalten Shake, doch die meisten Läden verarbeiten selbst in Asien immer irgendwie Kuhmilch in ihren Produkten. Obwohl wir bisher in jedem Land vegane Restaurants vorgefunden haben und es überall vegan lebende Menschen gibt, ist der Süßigkeitenmarkt überwiegend Tierleid geprägt. Und das obwohl wir uns sicher sind, dass gerade Kinder, Tierleidprodukte in Süßigkeiten ablehnen würden, wenn sie davon wüssten. Es nutzt also nichts, wir müssen durchhalten bis wir in die Nähe der laotischen Bayern kommen, denn dort gibt es gleich zwei vegane Restaurants mit Cafe nebenan.

Voll verschwitzt bestellen wir einen Schoko-Kokos-Shake und der ist sooo lecker, dass wir gleich noch einen zweiten hinterher bestellen. Der Shake aus Phnom Penh hat Konkurrenz bekommen 🙂

Lecker Essen im Veggie-Hut

Abkühlen unter der Klimaanlage

Mega leckerer Schoko-Kokos-Shake

Für eine längere Pause geht es aufs Zimmer und erst am späteren Nachmittag machen wir nochmal einen Spaziergang durch die Stadt. Wir checken noch die Bushaltestelle für morgen, damit wir rechtzeitig zum Flughafenbus kommen und planen noch ein wenig für unseren nächsten Stopp in Bangkok. Zum Abend noch einmal Pad Thai und ein letztes leckeres BeerLao in Laos. Übrigens das beste Bier was wir bisher in Südoastasien haben. Den ausgezeichneten Ruf können wir bestätigen 🙂

Das war kurz und knackig heiss in Vientiane. Was die laotische Gelassenheit angeht, ja es gibt sie auch hier noch, aber in etwas abgeschwächter Form, denn in einer großen Stadt schlägt der Puls doch etwas schneller. Trotzdem erlebten wir sicher die entspannteste Hauptstadt Asiens.

Morgen verlassen wir Laos, das Land, das uns in seinen Bann gezogen hat. Die liebenswerten Menschen, die wir kennenlernen durften, die Natur die nur schwer zugänglich ist und die entspannte Lebensart, die über vieles hinweg tröstet. Wir möchten sehr gerne wiederkommen und auch noch den Süden bereisen.

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