Weltreise Tagebuch

#49 Mit dem Heißluftballon über Laos

Nadine

15. März 2018

Zu kitschig um wahr zu sein. Mit einem Heißluftballon über einer grünen, bergigen Karstlandschaft in den gold-roten Sonnenuntergang dahingleiten. Ja, diesen Traum haben wir uns in Laos in Vang Vieng erfüllt und können sagen: es hat sich gelohnt!

In jedem Land darf ein Event oder Ausflug ein bisschen aus dem (Geld) Rahmen fallen. So der Deal mit unserem Budgetplan. In Vietnam war es die Übernachtung auf einem Schiff in der Halong Bucht, in Kambodscha das Dreitage-Ticket für Angkor Wat und in Laos soll es nun eine Ballonfahrt werden. Und mal ehrlich: wo in Europa kann man schon für nur 80€ pro Nase eine Fahrt in den Sonnenuntergang im Ballon buchen? Wir mussten einfach zuschlagen! Und das Wetter ist hier in der Trockenzeit auch ziemlich beständig. Die Chance, dass es klappt ist also recht hoch 🙂

Mit so einem wollen wir heute auch starten!

Im Preis ist praktischerweise auch gleich die Abholung am Hotel dabei und so fahren wir mit dem Tuk Tuk und weiteren Ballonaspiranten zum Startplatz, der ein bisschen versteckt auf einer großen Wiese liegt. Wir kommen bei den ersten Vorbereitungen an und sehen drei auf der Seite liegende große Körbe (ca. 2,5m lang und 1,40m breit), einen Ventilator und den ersten Brenner, der eine meterhohe Flamme in den Himmel spuckt. Wie beruhigend, dass alles noch mal getestet wird. Neben den Körben liegen meterlange Planen auf dem Boden, eine Art Schutzboden, auf dem nun die ersten Männer anfangen den eigentlichen Ballon auszurollen. Wieviel wohl nur der Stoff wiegt? Es braucht auf jeden Fall schon mal fast ein Dutzend Männer den ganzen Koloss fachmännich auszubreiten und die Seile mittels Karabiner am Korb einzuklinken.

Als nächstes kommt ein ein meterhoher Ventilator zum Einsatz, der mit gewaltigem Dröhnen anfängt den übergroßen liegenden Ballon aufzupusten. Rundherum versucht die Crew die Stoffbahnen einerseits festzuhalten und andererseits an den Seiten auseinander zuziehen, so dass die Luftpakete gut verteilt werden. Schnell wächst der Ballon zu einer ordentlichen Größe heran und der Ventilator wird zur Seite gerollt. Der Brenner wird gezündet und spuckt eine heiße Gasfontäne in den Ballon. Langsam wird der Korb von den Männern gekippt bis er schließlich aufrecht zum Boden steht und der Heißluftballon über ihm schwebend startklar ist.

Ein Ventilator sorgt für ordentlich viel Luft

Nach dem Ventilator kommt dann der Brenner zum Einsatz

Ein paar Flicken und Löcher hat der ja schon…

Startklar

Erst jetzt bemerke ich die vielen faustgroßen Löcher im Korb und bin leicht beunruhigt! Und das soll in Ordnung sein? Mit so einem Ding wollen wir wirklich fliegen? Öhmm… 
Okay, erst als die ersten Passagiere einsteigen, kapiere ich, dass die Löcher für die Füße als Einstiegshilfe gedacht sind. Ich nehme alles zurück 😉 Wir schauen zu, wie der erste Ballon abhebt, während der nächste schon mit Luft vollgepumpt wird. Ich gebe zu, meine Aufregung steigt nun doch, und jetzt gleich selber in so ein Ding ohne Backup zu steigen macht aus meinen Knien leichte Wackelpudding Konsistenz 😛 Dabei ist doch Carsten derjenige der früher mal richtig fiese Höhenangst hatte. Aber der grinst mir nur gelassen zu und freut sich sichtlich.

Nur noch kurz in die richtige Richtung anschubsen…

…und schon ist er weg 🙂

Unser Ballon ist ein weiß-grün-gelber und ich sage mir: cool, grün ist deine Glücksfarbe. Was soll da schon schief gehen? Immer positiv denken 😉 Immerhin soll die Ballonfirma in chinesischer Hand liegen. Da hofft man doch, dass sie gut kopiert haben ^^

Als wir einsteigen dürfen, geht alles ganz schnell. Kaum, dass der Ballon mit Käpt’n und 10 Passagieren gut gefüllt ist und jeder seinen Platz an der Korbbrüstung gefunden hat, merken wir auch schon wie der Ballon sanft in die Lüfte geht. Die Bodencrew schiebt den Korb von unten noch in die richtige Richtung und weg vom dritten Ballon, der auch schon aufgeblasen wird.

Es geht los. Wie in einem Aufzug geht es fast unbemerkt schnell in die Höhe. Die Brenner geben (voll-)Gas und ich spüre die Hitze an meinem Kopf. Hoffentlich fackelt es mir nicht die Haare ab. Aber dieser Gedanke ist natürlich unbegründet. Außerdem ist Carstens Kopf viel näher dran 😉

Meine weichen Knie sind irgendwie immer noch da und obwohl ich nicht besonders hoch gewachsen bin, finde ich die Korbbrüstung ziemlich niedrig und ein Blick nach unten ist ein bisschen gruselig. Dass man die Bewegungen der anderen durch leichtes Mitschwanken des Korbes bemerkt, lässt den Wackelpudding wackelig bleiben. Die Aussicht allerdings ist wirklich genial und die Sonne steht tief zwischen den hohen Karstbergen und taucht die Landschaft in goldenes Abendlicht. Wir haben Glück, denn wir stehen zur richtigen Seite und können den Sonnenuntergang perfekt beobachten. Unsere Kameras glühen. Ganz perfekt ist der Himmel nicht, es liegt Dunst in der Luft, der der ganzen Szenerie einen mystischen Anstrich verleiht.

Der Himmel wächst die Farbe von gelb…

…zu orange. Wunderschön!

Wir überholen den ersten Ballon, der nun unter vor der Bergkulisse dahin schwebt. Der dritte ist mittlerweile auch abgehoben und so steigen und sinken wir in unregelmäßigen Abständen. Schlecht kann einem dabei aber nicht werden, denn wirklich fühlen tut man es nicht. Sehr sanftes Fliegen. Ja, ja…es heißt Ballon fahren, nicht fliegen. Aber es fühlt sich eben nicht wie fahren an! Das ist eindeutig fliegen und es ist ein tolles Gefühl! 🙂 Unter uns liegt die Stadt Vang Vieng und der Flus Nam Song schlängelt sich durch die Stadt. Da unten tobt das Leben. Viele chinesische Gruppen werden in Reih und Glied auf kleinen Speedbooten über den Fluss geschippert. Der Programmpunkt „Mit dem Boot in den Sonnenuntergang“ ist im vollen Gange. Nur dass für die da unten die Sonne schon längst hinterm Berg ist ;-D

Blick nach oben

Schon irgendwie cool die Perspektive 🙂

Eine gute halbe Stunde sind wir in der Luft als wir anfangen zügig zu sinken. Die Dächer der Stadt nähern sich und ich bin schon wieder beunruhigt. Obwohl der Käpt’n pausenlos am Brenner dreht, sinken wir weiterhin. Soll das so sein?? Ich schaue Carsten fragend an. Der erzählt nur was von „die unteren Schichten sind anders aufgebaut. Die tragen uns schon“. Aha! Nun ja, hoffentlich stimmt das irgendwie. Tatsächlich bombem wir nicht in das hohe Gebäudegerippe unter uns ein. Trotzdem fliegen wir wirklich ziemlich tief über Palmen, Tempel und Sandwich Stände hinweg. Die Menschen unter uns schauen hinterher und winken uns zu. Sogar ein Mönch macht ein Foto von uns mit seinem Handy. So funktioniert Werbung. Attention please! 😉

Man beachte unsere niedrige Flughöhe!

Vorher war er noch bei Facebook – ich habs genau gesehen x-D

Ich bin mir sicher, dass man in Europa nicht so tief über die Häuser fliegen dürfte, aber solange der Käpt’n hier alles im Griff hat, ist das schon ein ziemlich cooler Blick nach unten. Der erste Ballon setzt zur Landung an während wir über den Landeplatz hinweg segeln. Ob das so geplant ist? Na solange der Käpt’n ein entspanntes Gesicht macht, soll es mir recht sein. Er steht ja per Funke mit dem Team in Kontakt. Wir steuern ein Feld an und sehen die bereits wartenden Männer unter uns. Schwupps fliegt ein Seil nach unten und schon fangen die Jungs an uns vom Himmel zu holen. Das kostet ganz schön Kraft, denn der Ballon hebt immer wieder ein bisschen ab und will noch nicht zur Landung ansetzen. Den Kampf gewinnen aber nach einigen Minuten die Männer und so landen wir genauso sanft wie wir abgehoben sind auf der Erde. Schnell steigen alle aus, und der Korb wird wieder auf die Seite gelegt um den Ballon einzuholen und die Luft aus ihm heraus zu drücken. Tolle Teamarbeit!

Das war ein wirklich tolles Erlebnis und auch wenn ich weiche Knie hatte, so würde ich eine Ballonfahrt jederzeit wieder machen. Wir können beide nur eine klare Empfehlung aussprechen! So macht Geldbudget-Sprengen Spaß 🙂

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