Weltreise Tagebuch

#113 Rila Nationalpark: Buntestes Kloster der Welt und die Pyramiden von Stob

Nadine

23. September 2018

Heute besuchen wir das bunteste und hübscheste Kloster, das wir je gesehen haben und wohnen zufällig einem Sonntags Gottesdienst mit einem fast schon päpstlich gekleideten Patriarchen bei. Auch mit dabei: aus Sand und Lehm geformte Pyramiden, die zu einer kleinen Wanderung einladen.

Früh am Morgen verlassen wir unseren Campingplatz und steuern den Rila Nationalpark an. Wir fahren auf – zum Glück – sehr guten Schnellstraßen und können so die bergige Landschaft, die in gold-rotes Licht getaucht wird, genießen. Nach guten anderthalb Stunden biegen wir auf eine schmale Landstraße ab, die uns durch ein Tal und seine Dörfer führt. Bulgarien ist ein armes Land – das ärmste innerhalb der EU – und das bekommen wir schnell zu spüren. Neben tristen Häuserfassaden kommen uns immer wieder Pferdekutschen entgegen. Es gibt sogar Verkehrsschilder, die Achtung gebietend auf dieses Transportmittel hinweisen.

Bei Morgenlicht unterwegs zum Rila Nationalpark

Ein-PS-Kutschen sind nicht ungewöhnlich in Bulgarien

Nach einer weiteren halben Stunde kommen wir am Parkplatz des Rila Klosters an. Frisch ist es. Kein Wunder. Immerhin sind wir auf fast 1200 Meereshöhe und die Sonne muss erst noch ein bisschen höher klettern um die Schatten zwischen den hohen Bergen verschlucken zu können. Es ist halb zehn als wir das (kostenlos zu besichtigende) Rila Kloster betreten. Begrüßt werden wir von meditativen Gesängen, die aus der Kirche zu kommen scheinen und über Lautsprecher verstärkt werden. Wir stehen im großflächigen Innenhof der Klosteranlage. Mitten im Zentrum steht die Klosterkirche Sweta Bogorodiza, die als Bulgariens beutendste Klosteranlage gilt. Zu Recht wie ich finde. Ich kenne kein Gebäude zu dem ich einen Vergleich ziehen könnte. Vorallem kein bunteres 😉 Ich (Carsten weniger) bin sehr beeindrukt – sowohl von der Architektur als auch von den hunderten farbenprächigen Freskenzeichnungen.

Rila Kloster – die Kirche in der Mitte wurde im 19. Jahrhundert errichtet

Hier befinden sich insgesamt 300 Räume, davon 100 Mönchszellen

Wer will, kann hier auch übernachten 😉

Bunter, bunter, Rila Kloster

Verzeiht die komprimierte Videoqualität, aber es ging uns eh primär um die Aufnahme der Gesänge 🙂

Auch wenn das heutige Aussehen der Anlage aus dem 19. Jahrhundert stammt, so findet das Rila Kloster seinen Ursprung schon im 10. Jahrhundert. Das älteste erhaltene Gebäude ist der 1334 errichtete Chreljo Turm, der den Mönchen früher zu unruhigen Zeiten Unterschlupf gewährte. Noch älter sind nur noch die Gebeine des Heiligen Iwan Rilski, dem im Jahre 946 verstorbenen Klostergründer und immer noch bedeutendsten Heiligen des Landes.

Wir betreten das Kircheninnere und staunen. Nicht nur wegen der riesigen Wand voller Ikonen (der Ikonostase) und dem vielen Gold, Gold, Gold! Auch der Patriarch und seine Anhänger, die einer genau einstudierten Choreographie vor der Ikonostase folgen, lassen uns staunen. Die sehen aus, wie der Papst bei der Krönung! Weiße reich bestickte Umhänge, riesige Krone auf dem Kopf und Goldschmuck um den Hals. Da bleibt einem glatt die Spucke weg. Gegeizt wird hier nicht. Was für ein Gottesdienst! Oder wie auch immer man das hier nennt ;-P Dazu die Gesänge in Dauerschleife und die Gläubigen, die wie auf Kommando immer wieder die Köpfe neigen. Unglaublich spannend die Geschehnisse zu beobachten, auch wenn es etwas sektenartiges an sich hat.

Auch wenn es verboten ist – ein paar Hüftschüsse mit der höchsten ISO, die unsere Kamera zu bieten hat, müssen einfach sein! So ein Spektakel wollen wir nicht vergessen 😛

Bunte Fresken im Narthex der Kirche

Der Narthex (Eingangsbereich der Kirche)

Heimlicher Hüftschuss – der Patriarch und seine Gefolgschaft sind vor der Ikonostase

Man beachte die Darstellung mit der Säge… übel…

Nach einer guten Stunde Aufenthalt verlassen wir das Rila Kloster. Mittlerweile sind schon einige Busse angereist, die eine Gruppe nach der anderen ausspucken. Vorbei ist es nun mit der sehr speziellen Atmosphäre hier 😉

Weiter geht es zum 30 Fahrminuten entfernten Dörchen Stob. Hier befinden sich die sogenannten Stob Pyramiden. Wer die Erdpyramiden bei Bozen kennt, kann sich ganz gut vorstellen wie sie aussehen. Die rot-braunen Pyramiden aus Sand und Lehm stammen aus einem Geröllfeld aus der Eiszeit und ragen zwischen 6-12m in die Höhe. Eine bizarre Landschaft, die man dank eines kleinen angelegten Weges gut von oben erkunden kann.

Bester Aussichtspunkt über die Stob Pyramiden 🙂

Breit angelegter Weg zu den Pyramiden

„Schlüsselstelle“ des „gefährlichen Terrains“ 😉

Auch wenn wir die Erdpyramiden in Italien eindrucksvoller finden, war die kleine Wanderung trotzdem schön und wer das Rila Kloster besucht, kommt so oder so dran vorbei. Ist also kein Umweg 🙂

Zurück am Auto, fahren wir nur noch eine dreiviertel Stunde bis zum nächsten Campingplatz. Von hier aus ist es nur noch eine 80minütige Fahrt bis zur Hauptstadt Bulgariens. Sofia – morgen werden wir dir einen Besuch abstatten!

Menü